Stadtspaziergang durch Bleckede
Die kleine Stadt an der Elbe ist nicht nur etwas für baugeschichtlich Interessierte, auch wenn sie in dieser Hinsicht viel zu bieten hat. In den gut erhaltenen Fachwerkhäusern verschiedenster Epochen locken Läden mit einer bunten Angebotspalette zum Bummeln.
Wendet sich der Besucher vor dem Elbschloss nach rechts kommt er zum alten Gerichtshaus. (Schloßstr. 27) Erbaut im Jahre 1852, fällt es schon wegen seiner klar gegliederten klassizistischen Bauweise völlig aus der Reihe. Im Jahre 1920 wird es das erste Mal in den alten Grundbüchern aufgeführt - im Eigentum des „Preußischen Staates“. Das schlichte Gebäude beherbergte auch einige Gefängniszellen, in den so manch Bösewicht für seine Missetaten schmorte.
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Durch die Geheimrat-Brandes-Straße kommt man direkt auf das Elbtalhaus (Lauenburger Str. 15) zu. Wie das Amtsgericht ist auch das als Wohnsitz des Amtsrichters erbaute Gebäude von 1840 klassizistisch geprägt.

Gleich nebenan steht die große giebelständig erbaute Durchfahrtsscheune, die zu dem Haus gehört. Die großen hellen Räume mit den verputzten Fachwerkbalken machen klar, welch Ansehen der Amtsrichter in jener Zeit hatte. Später wurde das Haus als Schule, als Forstamt und als Grenzinfostelle genutzt. Fünf Jahre lang beherbergte es auch die Ausstellungen, die jetzt im Schloss zu sehen sind. Scheune und Haus sind renoviert und können vom Besucher besichtigt werden.
Folgt man jetzt der Lauenburger Straße Richtung Innenstadt kommt man in die Friedrich-Kücken-Straße. Die in Nordwest-Richtung von der Breite Straße abknickende Friedrich-Kücken-Straße ist beidseitig dicht mit überwiegend giebelständigen ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden bebaut.

Die Parzellierung der Grundstücke 1-9 auf der Südseite verläuft nahezu parallel zu den Grundstücken der Breite Straße. Die Straßenkrümmung wird dadurch erreicht, dass die Giebel gestaffelt zueinander versetzt sind. Die entstehenden Vorplätze weisen häufig noch Feldsteinplasterung auf.
Alle Grundstücke sind durch rückwärtige, unbefestigte Scheunenwege erschlossen.
Die Stellung des Gebäudes Friedrich-Kücken-Straße 2 und der Verlauf der nördlichen Grundstücksgrenze von Schlossstraße 3 legen die Vermutung nahe, dass diese Parzellierung - ebenso wie die Schlossstraße 1 erst relativ spät bebaut wurde. Bei den Gebäuden handelt es sich mit einer Ausnahme um Fachwerkbauten, die nur zu einem geringen Teil massiv verblendet oder verkleidet sind. Die bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zurückreichende giebelständigen Bauten sind durchweg ehemalige Wohn- und Wirtschaftsgebäude, dagegen überwiegt bei den jüngeren traufständischen Fachwerkbauten aus dem 19. Jahrhundert die reine Wohnnutzung.
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Durch die Staffelung der Gebäude und der Vorplätze nehmen die Bauten unmittelbar Bezug aufeinander und tragen so zu einem geschlossenen Stadtbild bei. In der Breite Straße kommt man an vielen einfachen oder aufwendig gestalteten Fachwerkhäusern vorbei.

Auffällig in Bleckede sind die schön barocken und klassizistischen geschnitzten Türen, die die Häuser zieren. Sie entstanden meist im 18. und 19. Jahrhundert und sind zum Teil bis heute mit ihren Originalbeschlägen erhalten.
Jetzt steht der Wanderer schon im Herzen der Stadt, die Breite Straße, die überwiegend giebelständig bebaut und jetzt die Haupteinkaufsstraße ist. Die Erweiterung, auf der noch heute Stände mit frischen Waren stehen, war auch schon damals der Marktplatz. Erst im Jahre 1735 wurde der Teil abgetrennt, auf der noch heute die „Alte Apotheke“ steht. Damals hatte Bleckede zwar schon einen Arzt, doch die Medikamente mussten immer umständlich aus Lüneburg geholt werden. Mit Pferd und Wagen eine recht mühselige Geschichte. Auf „allergnädigsten Spezialbefehl“ von König Georg entstand die Apotheke im Stadtzentrum.
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Die ältesten Bauwerke in der Breite Straße stammen aus dem 17. Jahrhundert. Die zweistöckigen Bauten (z.B. Breite Str. Nr. 47) mit vorkragenden Geschossen zeigen eine einfache Gliederung und sparsames Dekor. Das Haus Nummer 47 war jahrzehntelang das Heim des örtlichen Barbiers, der damals nicht nur Bärte schnitt sondern auch die Zähne richtete - meist, indem er sie schlicht ausriss. Selbst 1921 wohnte hier noch ein Barbier: Otto Ferdinand Friedrich Thiele.
Zum Teil recht schmal drängen sich die Häuser eng aneinander. Weiter hinten (Breite Str. Nr. 27, 25) findet man auch Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, bei denen die Vorkragungen zurückgenommen worden sind.
Auf dem Rückweg durch die Einkaufszone fällt auf, dass auf der anderen Strassenseite, häufig noch alte Bäume vor den Häusern stehen. Ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der Hausfassade und Bepflanzung genau aufeinander abgestimmt wurden (Nr. 8, 12, 20, 38). Auf alten Bildern der Breite Straße sieht man fast alle Häuser von solchen Bäumen gesäumt und außerdem noch etwas anderes: Schienen. Durch die Stadt lief Jahrzehntelang eine Eisenbahnlinie. Die 1922 entfernt wurden.
Das letzte Haus der Breite Straße auf dieser Seite ist die Hausnummer 40. Das alte Fachwerk ist heute nur noch von der Seite zu erkennen.
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Jetzt steht der Besucher vor der St. Jacobi-Kirche. Die schlichte barocke Backsteinkirche mit ihrem vorgelagerten Westturm beherbergt eine alte Kanzel aus dem Jahre 1601 und ein Taufbecken von 1604. Der als Saal gestaltete Innenraum wird durch Emporenstützen in drei Schiffe geteilt, von denen das mittlere mit einem Tonnengewölbe abschließt. Orgelfans sollten wissen, dass die Hammerorgel erst 1969 nach dem alten Vorbild von 1715 neu errichtet wurde. Der alte Orgelprospekt blieb allerdings erhalten.
Der kurze Fußweg von der City zurück zum Schloss ist nicht nur wegen der Fachwerkbauten sehenswert.
Romantische Gemüter werden ins Schwärmen kommen, wenn sie wissen, dass in diesen Häusern entlang der Schlossstraße damals die „Adeligen“ wohnten.
Hier findet sich auch das älteste Gebäude der Stadt: Das Haus Nummer 3, dem das 1769 als Baujahr ins Gebälk geschnitzt wurde. Auch hier die giebelständige Bauweise, allerdings mit einer Längsdielenerschließung die Wohn- und Wirtschaftsgebäude miteinander vereint. Man sieht, dass es sich weder um ein Bauernhaus noch um eine Scheune handelt: Es war über Jahre hinweg eine Schmiede.

Ein paar Häuser weiter findet der Stadtwanderer die alte Zehntscheune. Hier mussten die Untergebenen ihrem Schlossherren einen Teil ihres Ertrages abliefern. Der Fachwerkbau mit dem riesigen Walmdach lässt an Karawanen von Pächtern denken, die mit Ochsenkarren ihre Abgaben zum Herrscher brachten. Zurück am Schloss steigt sicher so manch einer begeistert wieder in sein Auto.