Bergtour für Abenteurer und Mystiker
Stellen Sie sich vor: Es gibt einen Wanderweg rund um Bleckede, der über 60 Kilometer lang ist. Ich halte mich an meinen alten Drahtesel, und 60 Kilometer müssen es auch nicht sein - die Hälfte reicht. Informationen gibt es hierzu im Elbschloß Bleckede.
Nachdem ich bei meiner letzten Tour gesehen habe, dass das Land rund um die Stadt erstaunlich vielfältig sein kann, mache ich mich diesmal auf den Weg durch die Wälder im Osten der Stadt. Eine Tour, die nicht unbedingt etwas für den ungeübten Radler ist.
Startpunkt ist das Elbschloss. Durch die Stadt geht es dann die Lüneburger Strasse Richtung Neetze weiter. Aber schon am Ortsausgang schlage ich mich links in den Wald. Straßen will ich heute überwiegend meiden.
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Schon nach kurzer Zeit komme ich in Breetze an. Durch den Ziegeleiweg komme ich auf die Hauptstraße. Hier liegt der Findlingsgarten, der mein erstes Ziel ist. Ein riesiger Stein und ein kleines Schild markieren den Eingang zu der Ausstellung. Der Findlingsgarten entpuppt sich als Rundweg mit unterschiedlich großen Steinen aus Dutzenden von Epochen. Er ist so angelegt, dass man in der Zeit nach vorn marschiert. Jeder Stein ist mit einem kleinen Metallplättchen versehen, dass Alter und Herkunft verrät. An einer Stelle steht eine große transparente Tafel, die mich darüber aufklärt, dass es in dieser Gegend einmal eine von mehreren Ziegeleien gab.
Wieder bei meinem Rad angekommen verzichte ich darauf, den kleinen Berg mit dem Rad zu nehmen. Ich habe nämlich heute noch einige „Bergtouren“ vor mir. Es gibt hier tatsächlich Berge. Sie haben sogar Namen. Der höchste, der Telegraphenberg mit seinen 89 Metern ist mein nächstes Ziel. Die Straße steigt erst langsam, dann immer steiler an. Kurz vor dem Wald stoße ich zu meiner Überraschung auf einen Friedhof und eine Aussicht, die fast bis zur Elbe reicht. Eine Schutzhütte lädt zum Pausieren ein. Doch die Spitze des Berges habe ich noch nicht erreicht! Jetzt wird es aber brenzlig. Hinter einem Schlagbaum, verschwindet jede Art von Straßenbelag. Der Weg lässt sich zwar fahren, doch es ist ziemlich anstrengend. Dann knickt der Weg scharf nach links und rechts von mir fällt der Berg steil ab. Zwar mindern die Bäume meine Höhenangst, aber der Ausblick nach unten ist doch ganz schön beeindruckend. Am Gipfel des Berges erwartet mich ein Denkmal mit der Aufschrift 1847 und zwei leicht bemooste Bänke. Mir fällt zu diesem Datum nichts ein. Später höre ich, dass auf diesem Berg 1847 eine optische Telegrafenstation gebaut worden ist. Eine Art hoher Mast mit Zeigern, die von Berg zu Berg Zeichensignale weitergaben.
So, aber jetzt gehts endlich mal wieder bergab. Der Weg entpuppt sich als ebenso „ausgebaut“ wie der bergauf. Schließlich lande ich auf einem sandigen Querweg. Nachdenklich ziehe ich meine Karte zu Rate. Schließlich finde ich ein Stück weiter rechts einen Weg, der in Richtung Kähnkenberg führt. Der ist zwar zwei Meter flacher als der Telegraphenberg, aber hat es natürlich auch in sich.
Allerdings muss ich jetzt gut aufpassen, denn der Weg ist in Sand übergegang. Ich umschiffe die tiefen Stellen und fahre über Laub und Gras, so dass ich einigermaßen heil an der Straße von Breetze nach Ellringen ankomme. Ich überquere die Straße und kämpfe mich weiter durch den Sand.

Als ich an der Straße nach Köstorf ankomme, muss ich erstmal eine Pause machen. Der Wald ist fürs Erste zu Ende und ich befinde mich wieder auf festen Grund und Boden.
Ich fahre am Waldrand entlang Richtung Barskamp. Ein Feldweg, der zwar nicht ausgebaut, aber durchaus befahrbar ist. Er windet sich in kleinen Schlangenlinien durch die Felder und als ich um eine Ecke biege stehe ich plötzlich vor einem kleinen Teich. Seerosen blühen unter einer Eiche und zwei Bänke laden zum Verweilen ein.
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Jetzt geht es wieder über richtige Straßen und ich kann locker in die Pedale treten. Barskamp erwartet mich mit seiner schönen alten Kirche. Die St. Vitus-Kirche hat einen Turm, der etwa aus dem Jahre 950 stammt und ursprünglich vermutlich als Wehrturm diente. Das heutige Aussehen des Kirchenschiffes geht auf einen Umbau 1764 zurück. In dieser Zeit wurden Kirche und Wehrturm vereint. Den Altar der Dorfkirche und das Abendmahlbild schuf der Lüneburger Maler Heinrich Melchior Westphal im Jahre 1770. Das mittelalterliche Taufbecken baute der Bildhauer Otto Flath. Auch die Orgel aus dem Jahre 1856 und die Glocke von 1325 sind hörenswert, wie mir Einwohner berichteten.
Zeit für ein Mittagessen, denke ich und steuere Dolges Gasthaus an, das freundlicherweise im Ort ausgeschildert ist.

So gestärkt verlasse ich Barskamp. Endlich mal wieder bergab Richtung Köhlingen. Kurz hinter dem Ortsausgang biege ich links in einen Feldweg ein, der mich in den Schieringer Forst mit seinen Großsteingräbern führt.
Der Waldweg ist mit Schottergemisch angereichert und gut befahrbar. Als ich die Felsen mitten im Wald sehe, steige ich erst einmal ab. „Hünengräber aus der Jungsteinzeit“, belehrt mich ein Schild. „Etwa 200 bis 2000 vor Christus“. Die sogenannte Trichterbecher- (in den Gräbern wurden Becher gefunden) oder Megalithkultur siedelte so einige Jahrtausende vor Christi Geburt hier an der Elbe und hatte die Angewohnheit, ihre Herrscher und Fürsten in diesen aufwändigen Grabmälern zu bestatten. Auf meiner Karte sind gleich etliche eingezeichnet und ausserdem noch etwas, das Opferberg heißt. Ich kette also mein Rad an die alte Buche, die das Grab bewacht und mache mich auf den Weg nach Norden, um die anderen Gräber zu begutachten. Ein paar hundert Meter weiter, sind die nächsten Gräber. Die Gräber im Norden sind besser erhalten und man kann Strukturen und Aufbau gut erkennen.
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Dann sehe ich den Opferberg. Er hat zwar kein Schild, aber in dem sonst eher flachen Wald sticht der kleine Berg heraus. Offensichtlich künstlich angelegt steht er da. Auf der Spitze wächst eine krüppelige Eiche.

Weiter geht’s mit dem Rad quer durch den Wald und wieder mal leicht bergauf. Vor mir taucht plötzlich eine Holzhütte auf, vor der Zaunpfähle und Drahtzäune liegen. Die Försterei Schieringen. Dann ist der Wald auch schon zu Ende und weite Felder öffnen sich vor meinem Blick. Ich befinde mich jetzt gerade auf dem großen Rundwanderweg um die Stadt Bleckede. Der führt mich jetzt über einige Spurstraßen an einem Waldrand entlang Richtung Walmsburg und Katemin. Die Spurstraße geht langsam in ungefestigte Wege über und als ich vor dem letzten Waldstück stehe, hört der Belag ganz auf. Doch der Aufwand lohnt sich. Ich komme nach Reeßeln, ein Dorf das ich auch nur gefunden habe, weil ich jeden Zentimeter meiner Karte studiert habe. Reeßeln sieht ein bisschen so aus, wie aus dem bayrischen Wald importiert. Verwunschene Gässchen winden sich in Kurven auf und ab vorbei an den wenigen Häusern des Ortes. Von der höchsten Stelle aus kann ich bereits die Elbe sehen.
Jetzt kann ich die Karte stecken lassen. Ich weiß, was kommt. Ein mal um die kleine Serpentine, dann bin ich schon beim Aussichtspunkt. Von dort soll man einen wunderbaren Blick über die Elbtalaue haben, doch das hebe ich mir für ein anderes Mal auf.
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Endlich habe ich’s geschafft: Die Viehler Höhe liegt hinter mir. Jetzt will ich mir doch mal den ADAC-Campingplatz ansehen. Er liegt mitten im Wald. Verstreut zwischen den alten Bäumen liegen die Zeltplätze, Wohnwagen und -mobile. Es gibt einen Kinderspiel- und Tennisplatz, eine Grill- und eine Räucherhütte und durch einen Vertrag mit der Stadt können Gäste des Platzes das benachbarte Waldbad kostenlos nutzen.

Im Anschluss radel ich die Bleckeder Landstraße entlang durch Alt Garge mit seiner kleinen Kirche aus dem Jahre 1957 und dann die Elbuferstraße bis Bleckede. Schneller als erwartet bin ich in Bleckede angekommen und weil gerade Kaffeezeit ist, mache ich einen Schlenker in die Dahlenburger Strasse hinein. Denn dort ist das Restaurant Waldfrieden. Hier kann man drinnen oder draussen eine gutbürgerliche Küche und selbstgemachte Torten genießen. Das weitläufige Gelände bietet für jeden etwas. Und wer hier Urlaub macht, kann sich auch Fahrräder leihen.
Ich jedenfalls bin für heute ganz schön geschafft und sehe zu, dass ich nach Hause komme.